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KAPITEL VI.

ÜBER DIE KLEIDUNG DER ALTEN KELTEN UND DIE TRACHT DER GEGENWÄRTIGEN GÄLEN.

Die Urvölker der meisten Länder der Erde haben die Körperbemalung erfunden. Einmal als Ornament und zum anderen, um ihre Feinde zu erschrecken. Bevor sie lernten, ihre Körper mit irgendeinem Material zu bekleiden, könnte dies ihre Kleidung gewesen sein; jedoch fuhren sie damit auch nach Erfindung der Kleidung fort, um alte Überlieferungen zu bewahren, und zum Zwecke der Unterscheidung, wozu die unbekleideten Körperteile mit verschiedenen Farben und Symbolen verziert wurden.

Verbunden mit dem Brauch der Bemalung ist die barbarische Praxis, sich das Gesicht mit dem Blut der erschlagenen Feinde zu beschmieren, um sich den Feinden damit als grausam zu präsentieren. Wie wir von Solinus lernen, war dieser Brauch für die Iren normal, um ihr Gesicht grimmiger erscheinen zu lassen, und laut Spencer war dieser Brauch zu seiner Zeit noch nicht völlig verschwunden. Den Feind durch die persönliche Erscheinung in Angst zu versetzen ist keine schlechte Idee; denn, wie Tacitus zur Erscheinung der frühen Germanen bemerkt, mussten in der Schlacht zuerst die Augen der Männer überwältigt werden. Es war zum Zweck der Einschüchterung, dass die Urvölker ihren Körper bemalten, ihr Haar schätzten, seltsame Wappen oder Helme trugen, sowie eigentümliche Kleidung. Wahrscheinlich stammen die heutigen militärischen Bräuche von dieser Praxis ab. Die britischen Stämme waren für ihre Praxis der Körperbemalung bekannt; und ist es nicht ein wenig sonderbar, dass dies keinen positiven Einfluss auf die Gallier des Kontinents ausübte? Außer einem für den gallischen Merkur gehaltenen Fragment auf einem Stein, der bei Framont entdeckt wurde, dem unerschöpflichen Feld für Archäologie, und hier in der Abbildung dargestellt, bin ich auf keine andere Skulptur gestoßen, die auf ein Vorherrschen dieses Brauches hindeutet.

Pelloutier denkt, dass Tacitus auf die Praktiken der Iberer anspielt; er beschrieb die Arianer Germaniens deutlich als „tincta corpora“. Die Budini, ein getischer Volksstamm, färbten ihre Körper blau und rot; und Virgil bezeichnete alle Geloni oder Getae als Picti. Die Daci und Sarmatae zeichneten verschiedene Zeichen oder Figuren auf ihre Körper, während die Frauen ihr Gesicht mit verschiedenen Pflanzensäften färbten. Auch die Thraker – besonders deren Frauen – bemalten ihre Haut. Die Agathyrsi, ein skythischer Volksstamm, der von Jornandes in Skandinavien angesiedelt wurde und von Rudbeck auf dem Sinus Codanus, färbten ihre Körper mit blauen Markierungen ein. Die Edlen unter ihnen trugen diese blauen Flecken oder Markierungen in großer Anzahl auf ihren Körpern und unterschieden sich so von den Gemeinen.

Plinius erwähnt, dass das Glastum, womit die Briten ihren Körper einfärbten, in Gallien zu finden war, was aber nicht besagt, dass die dortigen Einwohner es in gleichem Maße gebrauchten. Die logische Folgerung ist, dass sie es taten, doch haben wir keine verlässliche Quelle, um diese Vermutung zu stützen. Nach Ansicht Dr. Mac Phersons entstand dieser Brauch bei den Caledoniern, da das Bemalen nicht in Gallien entstanden sein konnte. Laut der volkstümlichen Überlieferung benannten sich die Pikten nach diesem Brauch; und ihre Chronik sowie Isidor besagen beide übereinstimmend, dass die Scoten durch diesen Umstand zu den Pikten wurden.

Alle Briten färbten, wie Caesar besagt, ihre Körper mit Färberwaid, und er beschrieb unterschiedliche Muster auf ihren Körpern. Diese bestanden aus Sonne, Mond und anderen Planeten, Tieren etc. Die Frauen färbten ihren gesamten Körper mit dieser Pflanze ein, die jungen Frauen genauso wie die verheirateten, und erschienen dergestalt ornamentiert zu Opferfesten und anderen Feierlichkeiten in ansonsten völliger Nacktheit. Claudius beschreibt Britannien anscheinend als bemalte Backen.

Die Farbflecken wurden schon in der Jugend eintätowiert, ähnlich wie bei den Indianern, wofür bestimmte Instrumente aus Eisen benutzt wurden. Die Geloni tätowierten sich mit Werkzeugen aus diesem Metall; und auch die Pikten und Skoten führten für ihre Körperbemalungen den gleichen Prozess durch.

Die britischen Jugendlichen, so besagt es Solinus, „waren mit verschiedenen, in die Haut eingeritzten Tierfiguren verziert, und es gab nichts, was sie mit größerer Tapferkeit ertrugen, als die Operation, bei der ihre Körperglieder eine starke Färbung erhielten in dauerhaften Narben.“ Isidor besagt, die Körper der Pikten wurden mit einem spitzen Instrument eingestochen; und sein Ausdruck „stigmata Britonum“ deutet auf ein tieferes Einschneiden hin als bei anderen Völkern üblich. Plinius sagt, einige der östlichen Völker benutzten für ihre Einschnitte heiße Brandeisen.

Die durch diese Operation entstandenen Zeichen erscheinen generell blau, wie man auf Händen und Armen von Seeleuten und anderen beobachten kann, wodurch man darauf schließen kann, dass die frühen Briten sich nicht auf den Gebrauch von Waid beschränkten. Isidor, der den Goten den Gebrauch von roter Farbe zuschreibt, sagt, die Pikten färbten ihre Körper mit dem Saft von frischem Gras; Ovid nennt die Briten „Virides“. Der Ausdruck „coeruleas scuta Brigantes“ ist eine Beschreibung der persönlichen Erscheinung dieses Volkes. Herodian scheint die Briten als mit verschiedenen Farben bemalt darzustellen, „notant corpora pictura varia et omnifariam formis animalium,“ was von einigen Autoren als „bemalt mit verschiedenen Farben“ übersetzt und auf die Caledonier angewendet wird. Maule sagt, dass Argentocoxus, oder eher Argachocoxus, ein gefeierter Chief der Caledonischen Pikten, seinen Namen von dem alten Wort Coch oder Goch für Rot ableitete und er deshalb vom Roten Clan war, so wie andere vom Clan-buy, dem Gelben Clan etc. hätten sein können. Dieser Zusammenhang ist sinnreich, wenn auch nicht zufrieden stellend.

Die Praxis der Körperbemalung wurde noch eine kurze Zeit bis zur normannischen Eroberung von den Angeln beibehalten. William von Malmsbury beschreibt sogar, dass sie ihre Haut mit Symbolen verziert hätten. Vor jener Zeit war dieser Brauch sehr verbreitet, doch schließlich lenkte die Kirche ihre Aufmerksamkeit auf diesen heidnischen Brauch; und das Konzil von Cealhythe im Jahre 787 prangerte alle, die solche Ornamente benutzten, als von „diabolico instinctu“ getrieben an, und ein rein und anmutig erschaffener Körper sei durch die Einfärbung mit schmutzigen Flecken unfähig erlöst zu werden.